Hoffmann | Sailer

Grafik: Rainer Ehrt
Ausstellung vom 3. bis 31. Mai
Vernissage am 3. Mai um 16 Uhr
Geöffnet Samstags und Sonntags von 14 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung (Telefonisch anmelden unter 0173 – 8112451)
Der Eintritt ist frei. Hinweise zum Besuch der Ausstellung im Landarbeiterhaus hier. Wenn Sie direkt informiert werden möchten, abonnieren Sie unseren Newsletter
Es ist neben Festlichkeit auch eruptive Dynamik und der optische und taktile Reiz von glänzend und rau darin, aber auch eine tiefere Dimension, denn was wären die leeren Räume mit ihrem gleichförmigen Raster des Ziegelverbunds (denn er ist es, der alles trägt, seier nun offen oder verdeckt) ohne das Spiel der frei geformten Sailerschen Figurationen darin?
Es ist da auch eine verborgene, vielfach verschlungene gemeinsame Wurzel: – Zu formen, was die Erde, die uns trägt uns schenkt, nutzbringend und schön zugleich, und es durch Feuer haltbar zu machen, freilich auch zerbrechlich. Es ist das Gegenteil von Glätte oder Gefälligkeit in Gudrun Sailers Arbeiten, dazu die hohe Kunst, mit kundigem Blick und professioneller Freiheit auch Intuition und Zufall sprechen und den Rest die tausend Grad des Brennofens besorgen zu lassen.
Es sind konzentriert sprechende Antlitze und Gestalten, voll Fragen und Nachdenken, in ihrer transparenten Schichtung zugleich verschleiert und nah, und sie entsprechen in ihren – bei aller formaler Ähnlichkeit – schier unendlichen Variationen vielleicht auch den unendlichen Schichtungen und Verschlingungen menschlicher Empfindung und Wahrnehmung. Martin Hoffmann visualisiert sozusagen Röntgenblicke in die Seele, wie sie eben nur mit künstlerischen Mitteln möglich sind. Mitunter sind sie sehr genau auch zeitgeschichtlich lokalisiert, wenn man die Entstehungsdaten betrachtet: Corona und Krieg, Terrorakte, Xenophobie und mediale Hysterie.
Subtiles Fragen, doppelbödiges Schattenspiel ist auch in den aufs feinste schraffierten Graphitzeichnungen oder fotorealistisch lasierten Tuscheblättern zu finden: Der bevormundete oder der verwaltete oder der manipulierte oder der zum verbrauchten Verbraucher degradierte Mensch ist hier abwesend und zugleich dennoch anwesend, nämlich in Gestalt des Betrachters, also in uns.
(Aus der Rede von Rainer Ehrt zur Vernissage)
Bilder: Wolfgang Meier-Kühn